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Das Leben

„Die Lotti hat ja jetz en Neuen!“ „Wat denn, unser Lotti?!“ „Jaaaa.“ „Wo hat die den denn her? Habn die Blinden jetz Ausgang odda wat?!“ Höhnisches Gelächter. - Herzlich Willkommen, meine sehr verehrten Damen und Herren! Sie erleben heute ein Lustspiel im absurden Theater genannt Fußgängerzone. Ihre Gastgeber für den heutigen Abend sind Bierbauch-Heinz und Schnurbart- Herbert. Lehnen Sie sich zurück und staunen Sie. – „Jetz ma im Ernst … wer geht denn an die ran? Jemand, der auf die inneren Werte einer Frau steht?“ Erneutes Gelächter. Heinz streichelt liebevoll den Namen gebenden Bierbauch. Herbert richtet seinen Schnurbart. Fesche Herren in knappen Blousons jenseits der besten Jahre. Aber das ist wahrscheinlich eine Frage des Standpunktes. „Abba kluch isse ja.“ „Wer?“ „Na, die Lotti! Die hat ein Abitur.“ „Ja un, wat willse mit kluch, wenne dafür die Lotti krichs?!“ Nun ja, was will Schnurbart-Herbert mit klug? Eine wirklich berechtigte Frage. Das gerötete Gesicht eines Menschen, der die sinnlichen Vorzüge des Alkohols sehr wohl zu schätzen weiß, blickt sich zufrieden um. Ich sitze da bei meiner Tasse Kaffee und frage mich, was man wohl anstellen muss, um diesen Zustand vollkommener Zufriedenheit mit sich selbst erlangen zu können. Das Schnupfen von Kokain kann angesichts der sich darbietenden Tatsachen bei weitem nicht ausreichen! „Der fährt ein schickes Auto, der Neue vonne Lotti.“ „Wat denn füa eins?“ „En neuen Passat.“ Anerkennendes Grunzen. „Knete hat der auch?“ „Muss wohl.“ Man blickt nachdenklich und zweifelnd vor sich hin. „Wat macht der denn so?“ „Wie meinsse?“ „Wat aabeitet der?“ „Ach so. Irgendwat mitte Computa. Hat die Lotti gesacht.“ „Ach soooo!“ Jo, da spricht der Experte. Ne, Herbert? „Solla ruuich. Wir habn unsan Unterhalt noch mit ehrliche Aabeit verdient. Computas. Dat siehse doch jetz anne Börse wat dabei rauskommt. Nix. Un die ehrlichen Mallocha stehe doof da.“ „Wieso, hasse auch Aktien?“ „Bisse verrückt?!!!“ Noch schnell ein Käffchen, noch mal schnell den Flachmann gezückt und dann weiter. „Dann hat der wohl auch Abitur.“ „Ja sicha! Wat denks du denn?!“ Bierbauch-Heinz scheint mir doch eindeutig fixer zu sein. Zuerst ist aber Schnurbart-Herbert wieder dran. „Nee, lass ma. Ers schön gemütlich lange zur Schule gehn und dann dafüa au noch die dicke Knete bekommen. Dat is nich richtich.“ Langsam macht sich bei mir Verzweiflung breit. Komm schon, Heinz! Enttäusch mich nicht! „Soo kannse dat nun au nich sagn. Mein Enkel geht au zum Gymnasium. Der muss ganz schön ackan, dat sach ich dir. Dat is nich einfach.“ Das Gefühl der Verwunderung, das ich bei diesen Worten empfinde, schiebe ich weg. Heinz ist der Größte! Heinz! Heinz! Heinz! „Ja sicha is dat nich einfach. Habbich au nich gesacht!“ Herbert macht eingeschnappt einen Rückzieher. Jawoll! „Abba wie waa dat denn bei uns? Mit fufzenn musstesse doch kloppen gehn, odda wat? Waa dat einfach?“ „Nee, wa et nich. Da hasse abba Feiabnd gehabt nach Schichtende. Mein Enkel sitzt da manchmal bis in den Abnd. Da hab ich mia damals schonn längst en Bier genehmicht.“ „Dafüa macht der sich au nich die Knochen kaputt. Und wat is falsch daran, dat die Jungen heute au ma aabeitn? Wia zahlen ja au dafüa!“ Heinz holt Luft. Komm Heinz, gib alles! „Nee, du zahls füa gaa nix. Die Jungen zahlen füa uns. Un wenn du selbs Kinda hättes, dann würds du dat au andas sehen. So, un jetz is Schluss mit dem Thema.“ Ein Machtwort gelassen ausgesprochen. Schnurbart-Herbert kuscht. Brav, Herbert! „Un noch wat. Die Lotti is gaa nich verkeaht. Ne Schönheit isse ja nich, abba dat sin wia au nich. Un jetz lass uns gehen. Ich muss noch nach Aldi.“

Es gibt sie noch: Helden der Fußgängerzone.

Tach auch …
27.10.08 16:28





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