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Nicht wahnsinnig werden!

"die Bunen bletar falen fon ben beumen."

Der erste Teil des ersten Satzes des Diktats des Sohnes, das heute stattfindet. Kann man 25 Fehler in zwei Sätzen plus Überschrift fabrizieren? Man kann! Das Ergebnis nach tagelangem Pauken sah nach letzter Übungseinheit aus wie folgt:

"Die bunten bläter fallen fon ben Baumen."

Und jetzt ... warten und nicht wahnsinnig werden. Ist schwer.

Donnerstag folgt die Mathearbeit und es bleibt wenig Zeit mit Schule und Martinszug zum Üben. Mathe ist leider der problematische Teil.

Nicht wahnsinnig werden? Wie?

Tach auch ...
6.11.06 10:25


Kein Medikament

Ich gehe mit dem Rezept der unfreundlichen und herrischen Kinderärztin zur Apotheke, gebe es ab und harre der Dinge. Ein beschissener Tag. Die Dame kommt mit dem Zeug, scannt es ein und kann sich folgenden Satz nicht verkneifen: „Sie wissen aber, dass das kein Medikament ist?“ Erstaunen meinerseits. Nein, wusste ich nicht. Ich kannte das Zeug noch nicht einmal. Ist mir aber auch egal. „Ich meine nur. Es ist kein Medikament. Daher werden die Kosten auch nicht von der Krankenkasse übernommen.“ Aha, Unverschämtheit. „Warum verordnet es die Kinderärztin dann auf Rezept?“ Die Dame guckt mich verwundert an. „Das weiß ich nicht. Solange ich arbeite, wurde das noch nie verkauft.“ Interessant, eine Frage drängt sich auf. „Es stammt aber doch nicht noch aus den Gründertagen, oder?“ Jetzt wird der Blick muffig. „Was soll das denn heißen?“ Drängt sich doch auf. „Na ja, wenn Sie es doch noch nie verkauft haben. Lassen Sie das Medikament, das keins ist, solange in der Schublade liegen, bis es abgelaufen ist und legen dann ein neues Fläschchen hinein, in der Erwartung es nicht zu verkaufen?“ Doch, sie ist muffig. „Ich wollte es ja nur erwähnt haben. Das ist kein Medikament.“ Habe ich jetzt verstanden. „Was ist es dann?“ Unwilliger Blick. „Wie?!“ Mein Gott! „Wenn es kein Medikament ist, was ist es dann?“ Sie hält mir die Packung hin. „Hier steht keine Nummer mit N. Dann ist es kein Medikament.“ Es werden andere Packungen bemüht. Alle haben ein N. (Ich lernte heute Abend, dass das die Kennung für die Packungsgröße sei, aber ignorieren wir das.) „Es hat kein N. Daran kann man erkennen, dass das kein Medikament ist.“ Toll. Okay, wir versuchen es anders. „Es muss doch Leute geben, die darüber entscheiden, ob ein Produkt ein N bekommt. Wonach geht das und vor allen Dingen, was sind die Dinge, die kein N haben?“ Sie ist deutlich angefressen und hat keinen Check. „Darüber gibt es Richtlinien. Medikamente sind gekennzeichnet. Das hier nicht.“ Meine Fresse, so was hat studiert? „Aber es muss doch irgend etwas sein. Was ist es also? Ein Lebensmittel?“ Man denkt nach. „Vielleicht so was wie eine Nahrungsergänzung.“ Retterspitz innerlich? Nahrungsergänzung? Für wen? Für Leute ohne Geschmacksnerven? „Warum kann ich das dann nicht bei Edeka kaufen?“

Der junge Mann hinter mir raunt mir ins Ohr: „Nehmen Sie Eintritt?“ Kurzer Blick zur Seite. „Nein, heute ist die Vorstellung kostenlos.“

„Wieso bei Edeka?“ Ich kann mir ein Grinsen kaum verkneifen. „Ich kaufe meine Lebensmittel oft bei Edeka. Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamine oder Magnesium auch. Auch gerne bei Aldi. Wieso kann ich das nicht im Lebensmittelladen kaufen. Wäre doch logisch.“ Ihr Zustand wechselt von muffig zu knatschig. „Das weiß ich nicht. Ich weise Sie nur darauf hin, dass Sie dieses Mittel bezahlen müssen, weil es sich hierbei nicht um ein Medikament handelt. Sie müssen es kaufen, wenn Sie es haben möchten.“ Okay. „Muss ich auch die Rezeptgebühr entrichten?“

Ich habe sie völlig aus dem Konzept gebracht. „Wieso Rezeptgebühr?“ Wieso? „Kinder sind von der Rezeptgebühr befreit. Ebenso von den Zuzahlungen. Nun handelt es sich aber nicht um ein Medikament und ich muss den Artikel voll bezahlen. Wenn also die Übernahme der Zuzahlung entfällt, was ist dann mit der Rezeptgebühr?“ Jawoll, sie giftet. „Es gibt hier keine Rezeptgebühr und jetzt fragen Sie mich bloß nicht nach dem Warum! Es handelt sich um 7,57 Euro. Wir können aber bei der Krankenkasse eine Übernahme beantragen. Das dauert dann ein paar Tage. Dann müssten Sie solange warten.“ Es handelt sich um ein Nichtmedikament gegen Entzündungen im Magenbereich, Sodbrennen, Übelkeit und so’n Zeug. Da kann man nicht warten. „Nein, ich brauche es sofort.“ Es trifft mich ihr direkter Blick. „Es braucht Zeit, den Antrag zu stellen und die Antwort abzuwarten. Das ist immer so, wenn man so etwas haben will. Und jetzt kommt auch noch das Wochenende. Es wäre besser gewesen, Sie wären Anfang der Woche gekommen.“ Wie blöde geht es noch? Wie blöde?

Von hinten kommt leise: „Ja, da muss man vorausschauend handeln.“ Jüngsken, noch ein Wort und Du bist Geschichte!

„Ja wissen Sie, donnerstags kommt es manchmal über mich. Dann denke ich mir: Shoppen mal anders. Da fahre dann zur Kinderärztin statt zur Avonberaterin und gucke mal, was die Frau so Neues da hat. Dann lasse ich mir gerne ein Medikament, das keins ist, auf ein Rezept aufschreiben, das keiner braucht und fahre zur Apotheke statt zu C&A, um zu ergründen, ob es vielleicht ein paar schnuckelige Sonderangebote gibt. Dort werde ich dann über meinen Irrtum aufgeklärt, dass mein Medikament eigentlich keines sei und nach wiederholtem Nachfragen scheint mir die Variante mit der Nahrungsergänzung eher unwahrscheinlich. Aber, was will man machen? Deshalb bestellt man ja nicht bei der Internetapotheke, damit der Apotheker des Vertrauens umfassend und qualifiziert aufklärt. Man möchte also einen Artikel erwerben und ist auch bereit dafür zu bezahlen. Wenn man denn wüsste, was man da kauft. Gehen Sie zum Metzger und lassen sich sagen, dass er zwar nicht wisse, was für eine Wurst er in der Auslage anböte, er sie auch noch nie verkauft hätte, dass es sich aber um Wurst handele, weil Menschen, die er nicht benennen könne, nach Vorschriften, die er nicht benennen könne, diesen Artikel als Wurst deklariert hätten? Und wahrscheinlich haben Sie Recht. Es hätte mir aber auch schon wirklich am Montag einfallen können, dass ich am Donnerstag diese geile Shoppingtour machen werde und schon einmal profilaktisch ein mysteriöses Etwas bestellen könnte, obwohl mein Sohn diese Beschwerden noch gar nicht hatte und ich dieses Mittel noch gar nicht kannte. Klare Sache … schlechtes Timing. Kann ich jetzt bitte einfach 7,57 Euro bezahlen und mit dem Medikament, das keins ist, zur Tür rausgehen. Geht das bitte?“

Sie gibt nicht auf. „Ich kann mir Ihre Telefonnummer notieren und werde mich mit der Krankenkasse in Verbindung setzen. Wenn ich eine Reaktion habe, werde ich Sie dann anrufen. Bei Kindern sind sie ja manchmal großzügiger. Auch wenn es sich nicht um ein Medikament handelt.“

Bin ich froh, dass wir so gute Leute haben!

Tach auch …
23.11.06 02:57





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