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Die ewig Gestrige

Eine böse Attacke war das. Schräg von hinten, ohne Vorwarnung und sehr ärgerlich. Manche mögen sagen, dies befasse sich mit dem Thema „Rassismus“. Ich gehöre nicht zu diesen Leuten. Aus meiner Sicht geht es bestenfalls um pc und wahrscheinlich darum, sich einen runter zu holen. Aber was weiß ich schon? Ich bin lediglich eine weiße Vertreterin der deutschen Mittelschicht. Wie auch immer, dieser Angriff wurde von einem Mann eingeleitet. Er war schwarz, sie war weiß, sie hatten einen Sohn.

Vor vielen Jahren lernte ich, dass „Neger“ eine Beleidigung darstellte. Ich war sehr erstaunt damals, da ich diesen Begriff nur völlig wertneutral kannte. Er beschrieb Menschen, die eine braune Hautfarbe hatten und fertig. Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, diesen Begriff mit „Nigger“ in Verbindung zu bringen. Aber … ich war ja lernfähig, ich lernte aus erster Hand und benutzte von dieser Zeit an nur noch den Ausdruck „schwarz“. Soweit, so gut. Bis gestern. Bis mich dieser Typ anfauchte und mich beschuldigte in der Vergangenheit stecken geblieben zu sein. Wie könnte ich es wagen, ihn schwarz zu nennen. Aha, wieder war ich sehr erstaunt. Nicht schwarz? „Nein“, sagte er, „inakzeptabel!“ So? Und was ist mit X? Hat er nicht darauf bestanden schwarz genannt zu werden? Was ist mit Black Power? Schwarz nicht als Beleidigung, sondern darauf hinweisend, dass man eben nicht weiß sei und darauf stolz sein sollte? Nein? Ich wurde belehrt, dass das alles vor langer Zeit passiert wäre – Es war einmal … - und die heutige Diktion völlig anders sei. Aha.

Vielleicht könnte sich jemand meiner armen Seele erbarmen und freundlicherweise einen Newsletter schicken, wenn sich was tut an der Front. Es ist nicht so, dass ich nicht willens wäre zu lernen. Man müsste mich aber schon in Kenntnis setzen. Sorry. Und wie bezeichne ich seinen Sohn? Und wie spreche ich angemessen und respektvoll über ihn? Ich kann mich noch erinnern, dass meine Freundin vor vielen Jahren aus Zimbabwe zurückkam, wo sie den Sommer verbracht hatte und mir erklärte, man nenne diesen Schwarz-Weiß-Mix „halfcast“. Ich bin vor Lachen fast von der Couch gefallen. Was sollte ich dazu sagen. Mein Antwort war: „Geh nach London, such Dir eine solche Person und nenne sie „halfcast“. Aber nur, falls Du eine gute Krankenversicherung hast. Ganz schlechte Idee!“ Was ist also? Der Herr von gestern sagte mir, ich müsse präziser sein. Afroamerikanisch oder Afrodeutsch zum Beispiel. Aha. Und falls jemand sich nicht um seinen „Afro“-Teil schert? Ich habe Leute getroffen, die sich als Amerikaner oder Europäer oder was auch immer verstehen, ohne den „Aftro“-Teil groß zur Kenntnis zu nehmen. Sie nehmen für sich in Anspruch, diese Stufe der Identifikation überwunden zu haben. Und was mache ich dann? Ich meine, nachdem ich nachgefragt und mir den Pass habe zeigen lassen? Wenn ich also das nächste Mal eine schwarze Frau sehe, die ich natürlich nie mehr im Leben schwarz nennen werde, was tue ich dann, falls dieses Thema auf den Tisch kommt?

„Entschuldigung, aber ich weiß im Moment nicht, wie ich mich richtig ausdrücken soll. Ich sehe den „Afro“-Teil in Ihnen. Bitte halten Sie dies nicht für einen verbalen, rassistischen Übergriff. Nein, es ist nur offensichtlich. Genauso offensichtlich wie die Tatsache, dass ich über eine andere Pigmentierung verfüge. Und ich sage das in voller Kenntnis der Tatsache, dass wir alle von unseren afrikanischen Vorfahren abstammen. Bitte ersparen Sie mir eine Kurzfassung der Evolution. Möchte Sie, dass Ihre afrikanischen Vorfahren auch hörbar gewürdigt werden? In diesem Fall würde ich natürlich den Begriff „Afro“ benutzen. Und wären Sie bitte so freundlich, mir zu sagen, woher Sie kommen? Kommen Sie aus Afrika? Dann ließe ich „Afro“ natürlich weg. Sind Sie Afroamerikaner oder Afroeuropäer? Gibt es so etwas wie Afroasiaten und wie nennt man eigentlich die Leute aus Australien? Afroaussies? Afroamerikanisch ist wahrscheinlich okay, afroeuropäisch aber nicht zwangsweise. Manche Menschen möchten die Unterschiede gewürdigt wissen. Afroitalienisch hat wahrscheinlich nicht wirklich viel zu tun mit afrodeutsch. Oder afroirisch. Oder afropolnisch. Welches „Afro“ darf ich also benutzen? Möchten Sie, dass Ihr Herkunftsland betont wird (ohne natürlich Ihre afrikanischen Wurzeln zu verleugnen)? Oder bevorzugen Sie statt der Zuordnung zum „Italiener“ die Begrifflichkeit „Europäer“? Und was wäre, wenn Sie aus Amerika ausgewandert und in Deutschland eingewandert wären? Macht Sie das zu der Frau, die einst Afroamerikanerin war und jetzt afrodeutsch genannt werden muss? So, wie einst „Prince“, der zu „The Artist once known as Prince“ mutierte, dann zu „The Artist“ und zurück zu „Prince“? – Anmerkung: Sollte ich wichtige Entwicklungsstufe dieses Künstlers vergessen haben, bitte ich um Verzeihung. Das Alter! – Bitte vergeben Sie mir meine Neugier, aber was will ich machen? Und sollten Sie ein Kosmopolit sein, nenne ich Sie dann nur noch „The Afro“? Oder vielleicht möchten Sie ja überhaupt nicht daran erinnert werden, dass Ihre Hautfarbe Braun ist. In diesem Fall muss ich Sie bitten, das Thema fallen zu lassen. Oder vielleicht möchten Sie auch „farbig“ genannt werden. Nun ja, im meiner Welt ist das eine Beleidigung, aber meine Welt ist ja auch irgendwo in der Vergangenheit stecken geblieben, wie wir gelernt haben. Ist es also farbig? Ist das heute pc? Und was ist jetzt mit dem Sohn? Nenne ich ihn halfcast, farbig, einen Nachkommen mit afrodeutschem Hintergrund, irgendetwas anderes?

Welches ist also die Terminologie, die niemanden, aber auch wirklich niemanden auf der ganzen, weiten Welt beleidigen kann? „Schwarz“ ist offensichtlich nicht mehr korrekt, „farbig“ geht mir nur schwer über die Lippen und „halfcast“ überhaupt nicht. Natürlich ist mir bewusst, dass der schwarze (bitte nicht hauen!) Teil der Menschheit mächtig unter dem weißen Anteil gelitten hat und es noch tut. Diesbezüglich brauche ich, glaube ich zumindest, keine Nachhilfestunden. Muss ich das, im Gegenzug, pausenlos betonen? Ist es so schwierig ein Gespräch zwischen weißen und schwarzen Menschen zu führen, ohne zwangsweise bei diesem Thema zu landen, Zuschreibungen zu machen und auch verbal Schuld zuzuweisen? Okay, diese Frage kann ich mir selbst beantworten. Es geht auch anders und ich weiß es.

Solchen Menschen, wie jenem Herrn von gestern, kann ich nur entgegen halten, dass er das Pech hatte, mit einer deutschen, weißen Mittelschichtvertreterin zu sprechen. Touch luck! Wir Deutschen haben aber eben nicht nur die Schwarzen missbraucht und abgeschlachtet, sondern auch jüdische Menschen, Kommunisten, Rothaarige, Schwule, Behinderte, Leute mit der falschen politischen Überzeugung, Leute mit den falschen Pässen, Leute mit den falschen Genen, Leute, die einfach nur im Weg standen und was weiß ich noch für Leute. Die stehen alle auf der Liste. Und da ist es ziemlich voll. T’schuldigung!

Tach auch …
10.5.06 09:43


Mamas sind lieb ... und genügsam ... und stehen schon mit einem Fuß in der Kiste

Ich weiß ja nicht, wie es anderen geht, aber um es einmal in deutliche niederrheinische Sprache zu fassen ... der Arsch ist wahrscheinlich dann ab, wenn man von irgend so einer scheiß Werbefirma Muttertagsemails ins Postfach gelegt bekommt, gefragt wird, ob man sich denn mittlerweile die Muttertagssendungen im Fernsehen ansehe und US5 ein "Mama" über die Bühne jammern. Dies verfeinert mit den Gesängen von Roland Kaiser oder wahlweise flotten Rockweisen aus den 60igern anläßlich des hiesigen Straßenfestes kann selbst Hartgesottene zum Grübeln bringen.

Gleich wird aber wohl der Wettergott zuschlagen. Sein Donnern sagt mir, dass zumindest er mich verstehen kann. Danke!

Tach auch ...
13.5.06 19:34


Das Leben ist schön

Ort des Geschehens:
Die Couch im Wohnzimmer

Tag des Geschehens:
Gestern Nacht (weil, vergessen)

Anlaß des Geschehens:
Sportfest (Bundesjugendspiele) in der Schule, heute

Gegenstand des Geschehens:
Kürzen der Hose des Trainingsanzuges, da diese zu lang war

Durchführung des Geschehens:
Mit der Hand, da keine Nähmaschine vorhanden und die Durchführende nicht zu der Wohnung der Eltern zwecks Beschaffung einer solchen Maschine fahren und das Kind alleine lassen wollte

Umstände des Geschehens:
Kein Fingerhut, hartes Material am Reißverschluss, Mini-Nähnadeln (von denen zwei durchgebrochen sind), kein Einfädler

Dauer des Geschehens:
Eine gute beschissene Stunde

Zustand der Durchführenden:
Schwanken zwischen Verzweiflung und Hass

Konsequenz des Geschehens:
Keine, da es nachts angefangen hat zu regnen und das Sportfest ausgefallen ist

Tach auch ...
17.5.06 21:22


Orientierungswechsel?

Vielleicht sollte ich in den Hausfrauenbund eintreten. Das wäre doch mal was! Erfüllung durch Kochrezepte und Tipps zum Putzen. Trotzdem ein Leben mit Sex? Ja sicher, dem Motto folgend: Im Bett mit Muttchen!

Dann wäre meine Wohnung vielleicht einmal im Leben sauber und aufgeräumt. Die Hemden wären frühzeitig gebügelt und gefaltet, das Essen stünde pünktlich auf dem Tisch und die Unterlagen wären sauber abgeheftet. Freitags abends stünde ich dann gut angezogen und geschminkt im Flur und wartete auf den Mann, um ihm mit den Worten "Schön, Dich endlich wieder bei mir zu haben, mein Leben" in die Arme zu fallen. Ich würde früh aufstehen, um früh mit dem Putzen fertig zu sein; Schürzen tragen, um meine Kleidung zu schonen; meinem Ehemann jeden Wunsch von den Lippen ablesen und dem Kind pausenlos sagen, wie lieb ich es habe und es unentwegt küssen. Ich würde nie mehr schimpfen und immer lächeln. Dabei sähe meine Frisur stets makellos aus und beim Fensterputzen könnte ich ein kleines Liedchen trällern.

Ja, wäre das nicht schön???

Tach auch ...
18.5.06 13:02


Mixer gefällig?

Ich könnte mich jetzt in aller epischen Breite darüber auslassen, wie sehr es mich freut, dass alle sich über Lordi aus Finnland aufregen. Wunderbar! Na ja, wenn dies nicht gefällt, wie wäre es dann mit meiner zweiten Wahl, dem Vortrag aus Litauen. Könnte das mehr Wohlwollen wecken?

Wollte aber eigentlich etwas anderes zur Sprache bringen. Der Sohn war heute sehr empört, weil ein unbekannter Tobi samt Freunde den Sohn böse Sachen genannt haben. "Mama, stell' Dir mal vor! Die haben mich Penis genannt und Scheide." Kleine Kunstpause, um die Wirkung zu testen. Der Ausdruck der Empörung ist offensichtlich nicht aussagekräftig genug. "Und noch mehr! Dann haben sie mich Pimmel und Muschi genannt! Das ist doch böse!" Jetzt die Gesichtszüge unter Kontrolle halten und schockiert gucken. Die Großmutter, die das Mett anmacht und so vor sich hinrührt, hat ebenfalls Schwierigkeiten ernst zu bleiben. "Das ist nicht nur böse, das ist vor allen anderen Dingen dumm. Nur dumme Kinder sagen so dumme Sachen. Abgesehen davon ... wer Dich Scheide oder Muschi nennt, hat nun, weiß Gott, keine Ahnung." Der Sohn wirft sich in Pose. "Genau, sowas bin ich doch nicht!" Bestätigendes Nicken seitens der Erzeugerin und der Großmutter. "Hunderprozentig nicht!" Der Sohn geht raus, kommt zurück und fügt aufgeregt hinzu: "Dann haben sie noch was ganz, ganz Böses gesagt. Sie haben mich einen Mixer genannt. Stellt Euch das mal vor. Einen Mixer haben sie mich genannt!" Jetzt ist wirklich jede Form der Selbstbeherrschung gefragt, die man aufzubringen in der Lage ist. Der Großmutter steigen mittlerweile die Tränen in die Augen. Es bleibt an mir hängen, dem Kind eine Antwort zu geben. Ich drücke also mühsam ein "Einen Mixer?" heraus und hoffe inständig, dass der Sohn ins Wohnzimmer geht. "Jawohl, einen Mixer. Das ist doch wirklich blöde. Was soll ich denn mixen?" Bitte geh! "Das hast Du vollkommen recht, Schatz. Total blöde. Wolltest Du nicht zum Opa gehen?" Der Sohn erinnert sich, verschwindet um die Ecke und ich breche in schallendes Gelächter aus.

Gestern haben wir festgestellt, dass der Mann das Kleingedruckte nicht mehr lesen kann. Das nennt man wohl Altersweitsichtigkeit. Strike! Der Fairness halber muss ich allerdings anmerken, dass es wirklich sehr schwer zu lesen war. Egal! Merke: Der Vater kann nicht mehr richtig gucken und der Sohn noch nicht richtig hören.

Gott sei Dank!

Tach auch ...
22.5.06 21:40





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