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Der - ich wei? nicht - wievielte Versuch, etwas hier zu deponieren. Falls ich wieder scheitere, ?berlasse ich das der j?ngeren Generation ... und lerne wie es geht.

Schau'n wa ma ...
8.11.05 11:54


Tach auch

Ich fahre also mit der Cousine nach Berlin. Samstagmorgen hin, Sonntagabend zur?ck. Alles klar. Gerade angekommen umkreisen wir erst einmal die Siegess?ule. Der wahre Profi braucht schlie?lich keinen Stadtplan! Auf gar keinen Fall! Und wenn man sich einem Objekt nur oft genug aus verschiedenen Blickwinkeln n?hert, er?ffnet sich irgendwann eine bis dahin unbekannte Wahrheit. So auch diesmal, als sich der Cousine die richtige Ausfahrt Richtung Alexanderplatz offenbarte. Es geht n?mlich gar nicht darum, sich einfach mittels eines toten Gegenstandes zu orientieren ? neeeiin ? man muss seine Umwelt erfahren, erf?hlen und in unserem Fall auch gerne erlaufen. Weil die Cousine mit dem Brustton der ?berzeugung erkl?rt, sie liebe ?ffentliche Verkehrsmittel. Aha! Und die andere Cousine wei? es auch nicht besser. Sch?n bl?d, alle beide. Und abgesehen davon, sind wir schlie?lich cool und keinesfalls spie?ig. Wir finden uns aus Prinzip ohne jedes Hilfsmittel zurecht. Und Prinzipien werden in dieser Familie hochgehalten. Sie bilden schlie?lich die Grundlage unseres intellektuellen Daseins. Nicht wahr? Dabei wird auch keine R?cksicht darauf genommen, dass die geographischen Kenntnisse mancher Mitglieder auf das Wissen beschr?nkt sind: ?Ich wohn am Rhein, der f?ngt in der Schweiz an und m?ndet irgendwo in Holland in die Nordsee und fertig.? Und w?hrend wir so durch Berlin fahren, an diesem Sonntag, fiel mir doch auf, dass ich gerade dabei war, ein ziemlich gro?es Haus zu umfahren. Wirklich richtig gro?. Ich bin also sehr beeindruckt und sage das auch ?Junge, ist der Schuppen gro?, was mir ungl?ubige Blicke einbringt. Die Erkl?rung folgt auf dem Fu?e: ?Der Reichstag, Hase. Da, wo Du gestern vorgestanden hast.? Peinlich? Schon, aber was viel schlimmer ist ? die brutale Realit?t!

Abends dann raus, die Nacht und der Alkohol rufen. Und die ?ffentlichen Verkehrsmittel. Souver?n in die Linie M5 gesetzt, ab zum Prenzlauer Berg. Kein Problem, sind ja nur ein paar Haltestellen. Und wir fahren in die Nacht. Und fahren. Nichts, aber auch gar nichts, ?hnelt dem, was wir suchen. Kein Prenzlauer Berg, keine sch?nen Kneipen, daf?r aber immer dunklere Ecken. Und dann erkennt die ?ltere Cousine den einen oder anderen Stra?ennamen, was ihr ein ?Auch du Schei?e, nichts wie raus hier? entlockt. Da sind wir doch auf direktem Weg nach Marzahn. Na, wenn das nicht verf?hrerisch ist. Raus aus der Bahn, warten am Arsch der Welt und zur?ck. Schade nur, dass der Bahnf?hrer irgendwas von ?Abzweig? erz?hlt ? wen interessiert das ? und dann pl?tzlich von Endstation faselt. Die Cousine bemerkt noch, dass diese merkw?rdige Bahn auf einmal keine Fahrg?ste mehr hat. Alle weg ? nur die Cousinen nicht. Das Ding biegt ab, bleibt stehen und wir gucken bl?d. Im kalten, nassen, dunklen Nichts. Aber wir geben nicht auf. Ich will eine Kneipe und ich will trinken. Die Cousine hat ?hnliche Gel?ste. Neue Haltestelle gesucht, n?chster Versuch. Flott in die M4 und frohen Mutes losgefahren. Ich merke langsam, wie mir, nach einem lauffreudigen Tag, die Unlust in die Glieder kriecht und prompt scheuche ich die arme Cousine eine Haltestelle zu fr?h aus der Bahn. Kaum drau?en, offenbart sich mein Versagen ? zu sp?t. Wieder warten am Arsch der Welt. Rein in die Bahn und eine Haltestelle zu sp?t raus. Zur?cklaufen und auf dem Weg verbal und im Kopf diverse Gewaltphantasien ausgelebt. Die Cousine wartet nur auf ein Opfer. Sie will Blut. Doch niemand will von uns auch nur die Uhrzeit wissen. H?tten wir ihm gerne mitgeteilt ? hinterher. Mir geht durch den Kopf, dass die Cousine morgens bei einer Tasse Kaffee in der N?he vom Alexanderplatz bemerkte: ?Hier sieht es irgendwie aus wie in Marxloh.? Kann doch gar nicht, wo doch in Berlin alles cool und jeder hipp ist. Oder nicht? Gedanken, die durch meinen Kopf kreisen, als ich durch ein anderes Berliner Marxloh laufe, Prenzlauer Berg genannt.

Kein Taxi weit und breit. Telefon ja, Telefonbuch nein. Jetzt habe ich die Schnauze voll. Handy raus, Auskunft anrufen. Ja, wir stehen hier Ecke X/Y und h?tten gerne ein Taxi. Die Ecke X/Y befindet sich ?brigens im Stadtteil Prenzlauer Berg. Die Dame nennt mir eine Nummer, die so d?mlich angesagt wird, dass ich sie mir nicht merken kann. K?nnte das auch an den drei LKWs liegen, die zeitgleich vorbeifahren? Egal, ich bleibe einfach in der Schleife, bis sich ein Mann meldet. Gleiches Spiel. Nein, ich m?chte nur die Nummer haben. Nein, ich m?chte nicht verbunden werden. Nein, ich m?chte keine Benachrichtigung per SMS. Der Mann redet genauso wie das Band, die LKW-Landschaft um uns herum wird durch zahlreiche Busse befruchtet und ich verliere die Geduld. ?Verbinden Sie mich. Jetzt!? Okay, der Tonfall war vielleicht etwas laut. Wen wundert?s? Wer jetzt gedacht hat, dass unser Elend ein Ende haben k?nnte, wird flott eines Besseren belehrt. Beim Taxiunternehmen (?brigens: 030/211125, das nur am Rande) meldet sich also der freundliche asiatische Mitarbeiter. ?Fasel, Fasel, Wilmersdorf.? Wie Wilmersdorf? Wieso Wilmersdorf? Nix Wilmersdorf, ein Taxi zur Kneipe im Prenzlauer Berg. ?Fasel, Fasel, Wilmersdorf. Ja, Wilmersdorf.? Spinn? ich eigentlich? Hat der sie noch alle? Das Unternehmen liegt nicht in Wilmersdorf, wir sind nicht in Wilmersdorf, wir wollen nicht nach Wilmersdorf ? und wieso kann ich diesen charmanten Berliner Asia-Deutsch-Mix eigentlich nicht verstehen? Der Kerl macht Telefondienst und aisatelt da rum wie bl?d. ?Fasel, Fasel, Wilmersdorf.? Jetzt ist endg?ltig Schicht. Aus, Schluss, Feierabend. Wilmersdorf am Arsch. ?Ich kann Sie nicht verstehen! Das kann nur Mai-Ling! Was machen Sie da eigentlich? Nein, ich will Ihr Taxi nicht mehr und ICH WILL NICHT NACH WILMERSDORF.? Luft holen, umgucken, ob sich Opfer anbieten ? und dann f?llt der Blick auf die Rettung, die L?sung all unserer Probleme, den Garten Eden ? ein Taxistand. Die Cousine unsanft am Arm gezerrt mit den freundlichen Worten: ?Los, guck dahin!? Die Zeit der Freundlichkeiten geh?rt schon lange der Vergangenheit an. In einer Stadt, die durchzogen wird von Schlangen und weiteren Reptilien. Sie allen geh?ren zur Gattung der ?ffentlichen Verkehrsmittel und haben nur das eine Ziel, Touristen als Beute zu jagen und zur Strecke zu bringen. Ihre Taktik ist hinterh?ltig und brutal. Sie verwirren die Beute, schleppen sie in entlegene Gegenden, lassen sie dann so lange rennen, bis sie fast zusammenbricht. Dann kommt der Todessto? in Form einer asiatischen Giftspritze, die die Beute in den Wahnsinn treibt. Seid gewarnt!

Aber, wie jedes starke und gut balancierte System, gibt es auch hier Gegenpole. Bei uns in Form des liebsten und nettesten Taxifahrers, den es geben kann. Einfach nur klasse. Der hat uns dann den F?ngen des ?ffentlichen Verkehrsnetzes entrissen und uns sicher und sehr f?rsorglich zu einem sehr sch?nen Laden gefahren. ?Stella? hei?t er und im Prenzlauer Berg liegt er. Und der nette Taxifahrer hat uns auch die Schlange genannt, die uns sicher nach Hause bringen w?rde, die U2. Sie sind wohl nicht alle hinterh?ltige Killer. Das haben wir dann aber lieber gelassen. Ganz davon abgehen, dass es in unserem Zustand, als wir den Laden nach 2 Uhr nachts wieder verlie?en, keiner b?sartigen Schlange bedurft h?tte, um uns ins Nirgendwo zu treiben. Ins Taxi, w?hrend die Cousine undeutlich auf dem R?cksitz schwadronierte und vom Taxi ins Hotel war das Maximum dessen, was noch ging. Wie es dazu kommen konnte nach zahlreichen Planters Punch und wie unterschiedlich die Geschm?cker von Frauen sein k?nnen, ist allerdings ein anderes Thema, das wir jetzt mal vernachl?ssigen.

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8.11.05 11:58


Späte Rache

Berlin noch mal, diesmal das Judendenkmal, das man nicht so nennen darf. Muss ich aber in Ermangelung des richtigen Begriffs. Die Cousine und ich kommen gerade vom Reichstag und befinden uns auf dem Weg zu jenem Denkmal ohne Namen. Zwischendurch noch durch das Brandenburger Tor geschl?pft. Wir haben ja bei Kohl gelernt, jeden historischen Moment erbarmungslos mitzunehmen und dieser Torbogen ist und bleibt per definitionem historisch. Kein Berlin-Besuch ohne solche bewegenden Momente. Sind wir nicht alle Berliner? Auch wenn wir m?de sind und mit nassen Schlachbuchsen durch die nasse, triste Gegend rennen. - Wie ich lernen durfte, ist es ganz wichtig, dass diese Dinge zu lang sind und ?ber den Boden schleifen. Alles andere w?re uncool. Merken! ?

Jedenfalls sind wir bald am gew?nschten Ziel angelangt. Noch so ein deutscher Moment. Da liegt es vor uns, eingebettet in Bushaltestellen, Bauz?unen und wehenden, gelben Wimpeln. Aber wollen wir mal nicht pingelig sein, schlie?lich ist n?chstes Jahr die WM und bis dahin muss der Laden fix sein. ? Nie im Leben, sag ich! ? Die Cousine war schon da und kennt sich aus. Rein in das Denkmal und den Stehlen ins Antlitz geblickt. Sehen irgendwie giftig oder hungrig aus, die Dinger. Und nass. Und grau. Egal, historischer Moment und Kruppstahl. Wir laufen also rein und die Cousine erliegt ohne Vorank?ndigung einem genetisch bedingten Automatismus, der da hei?t: Keine Vorlage ungenutzt vorbeiziehen zu lassen. Niemals! Gepaart mit diesem unverbrauchten kom?diantischen Talent, ergibt sich folgende Szene:

Wir marschieren also so rum, w?hrend ich auf den blonden Hinterkopf der Cousine gucke. Dann pl?tzlich, man mag es kaum glauben, spricht er zu mir. Die Stimme entspringt ganz offensichtlich der Vorderseite des Hinterkopfes. Es gibt keinen Zweifel, es ist der kleine, h?ssliche ?sterreicher und er sagt: ?Ich bereue.? Kann das sein? Traut er sich hierhin und hat wom?glich von der Cousine Besitz ergriffen? Jener winzige, unansehnliche, kreischende Mann, der doch einfach nur Leinw?nde verhunzen wollte? ? Wie hie? eigentlich die Kunsthochschule, die ihn abgelehnt hat? Im ?brigen bin ich der Meinung, dass dieser Ort zerst?rt werden muss. Ausradiert, von der Landkarte gel?scht, aus den Geschichtsb?chern gestrichen! Ups ? germanische Gene. Da machst Du nix dran. ? Und wieder h?re ich seine Stimme: ?Ich bereue?. Ich sch?re, dass diese blonden Haare vor meinen Augen brauner und brauner werden, dabei immer k?rzer.

Jetzt gibt es bei uns aber auch ein paar Festlegungen. Zum Beispiel die, dass b?ser, ironischer Humor zwar immer zul?ssig ist, aber Piet?tlosigkeit nicht ohne Widerspruch hingenommen werden darf. Das hat mir Hakenkreuz Helga mit Hingabe eingetrichtert. Okay, das Gehirn schickt den Befehl ? Piet?tlos ? Stusper gegen den Hinterkopf ? Arm heben und zum leichten Schlag ausholen?. Die Gerechtigkeit sorgt daf?r, dass genau in diesem Moment der Boden in einer tiefen Welle nach unten nachgibt (vorher waren die Wellen viel flacher), ohne, dass mir das auff?llt. Mein rechter Fu? tritt vermeintlich ins Nichts, ich kippe nach vorne, der Arm holt Schwung und die Hand trifft den Hinterkopf vor mir mit voller Wucht. Aber so was von! Die volle Breitseite. Adolf verl?sst den K?rper der Cousine, die mutiert wieder zur attraktiven Blondine und schaut mich mit gro?en Augen an. Ein Anblick der vollkommenen Fassungslosigkeit. Und ich muss lachen und bin auch fassungslos. Eine Entschuldigung jagt die andere und die Cousine ist so gro?z?gig, wie sie sprachlos ist.

Flott nach rechts abgebogen, ert?nt die Stimme schon wieder: ?Und ich bereue doch.? Bevor ich jedoch reagieren kann, wird mir ganz anders. Der Boden unter meinen F??en wird immer welliger, die komischen S?ulen kommen immer n?her und mir wird immer schlechter. Ich schaffe es gerade noch nach drau?en, wobei ich das Rauschen in meinem Kopf versuche zu ignorieren, ebenso wie den Tunnelblick. Ein glasklarer Fall von Seekrankheit. Im Denkmal ohne Namen, mitten in Berlin. Oder war es doch die Begegnung der dritten Art? Wohl aber einer der k?rzesten Besuche, die dieses umk?mpfte Denkmal je gesehen hat. Es zu erfahren und zu verstehen war mir nicht verg?nnt. Schade eigentlich.

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9.11.05 13:18


The Magnificent

Folgendes hat sich zwar schon letzte Woche zugetragen, aber da bin ich ja am System gescheitert.

?Frauen sind mein Untergang.? Was denn ? noch tiefer? Und wieso redet dieser Mensch im Plural? Selbst der Singular w?re mehr, als man vermuten w?rde. Welche Frau wollte sich von so was begl?cken lassen. Und dann der Plural? ?Sie sind doch alle gleich. Ers schleichen se sich von hinten an Dich ran und dann ziehen se Dich aus, die Weiber!? Da verschlucke ich mich fast an meiner eigenen Spucke. Wo ist die Kamera? Wer versucht gerade mein d?mmstes Gesicht aller Zeiten einzufangen, um es irgendwann einer wie auch immer gearteten ?ffentlichkeit preiszugeben. Es kann sich nur um eine Verschw?rung handeln. Soviel Realsatire gibt es nicht an einem Donnerstagabend bei Edeka an der Wursttheke. Das Wesen, das diese Worte ausgesprochen hat, ist ein Mann, was sonst?! Allerdings auch nur, wenn man die handels?bliche Klassifizierung w?hlt. Ist gr??er als ich (na gut, gilt nicht ? ungef?hr jeder ist gr??er als ich), hat keine Titten, aber daf?r wahrscheinlich einen Schwanz. Nein, das wollen wir nicht genau wissen. Pers?nlich w?rde ich ja mit dem Begriff ?Mann? einiges verbinden, das dieses Exemplar gar nicht oder bestenfalls rudiment?r vorzuweisen hat. Aber wollen wir mal nicht pingelig sein.

Dieser Mann (das Wort kommt mir kaum ?ber die Lippen) steht also an der Wursttheke und teilt der Verk?uferin seine Bestellung mit. Er tut das mit einem brummigen Gesicht, das ab und zu von einem kleinen L?cheln verzogen wird. Das ist dann der Moment, der uns allen, die wir dort stehen, seine Kauwerkzeuge offenbart ? ?berzogen mit einer Mischung aus Braun und Gelb, daf?r aber garantiert echt. So etwas Krummes k?nnte nicht k?nstlich nachgebildet werden. Wenn er sich bewegt, raschelt das Oberteil seines Jogginganzugs. Schwarz mit Gelb aus irgend so einem gl?nzenden Plastikstoff. Sehr schick. Von den gestreiften Socken sieht man nicht viel (es gibt doch einen Gott), weil der Blick dann schon auf das getragene Schuhwerk f?llt. Ebenfalls schwarz, ebenfalls gl?nzend mit gelben Sohlen. Der Mann kennt sich aus! ?N?Viertel Dauerwurst, aber billich.? Sprach?s und blickte mit seinen Schweinchenaugen den Kumpel zu seiner Linken an. Ich stehe also rechts daneben und da seine Bewegung etwas lebhaft ist, str?mt ein leichter Geruch von Alkohol zu mir r?ber. Den Geruch kenne ich ? Schnaps. Ich mache mir schon Sorgen, ob bei soviel Energie nicht seine sorgf?ltig ?bers Haupt gek?mmten Haare durcheinander geraten k?nnten. Das ganze Duzend im schlimmsten Fall.

?Weisse Pedda, ich hab? die Schnauze voll. Ich hab? se aufgenommen, obwohl se schon nen Kind hatte. Ihren Alten hatte se auch schon unta de Erde gebracht. Aber ich hab? se aufgenommen.? Mutig ist er ja. Immer noch ein Besch?tzer, selbst im Angesicht des Todes. Sollten da seine Qualit?ten liegen? Es muss sie geben, Himmel Herrgott noch einmal. Der Kerl redet im Plural!! Dann fragt mein vorlautes Kind die Verk?uferin, ob es eine Scheibe Wurst haben k?nne. Zwei k?nne er auch vertragen. Bevor jedoch die besch?mte Mutter erzieherisch einwirken kann, reagiert Adonis. ?H?mma Kleiner, getz bin ers ma ich dran. Da musse schon waaten, wie sich datt geh?rt.? Blickt mich an und sagt: ?Ganz sch?n frech, Ihr Bengel. Aber so is dat ja heute.? W?hrend ich schon wieder so bl?d gucke wie Minuten zuvor, l?sst er noch schnell eine weitere Bestellung r?berwachsen ? ?Geben se ma wat vom Schinkenspeck, zwei Laagen? ? und ist schon wieder mit dem Kumpel besch?ftigt. ?Die kommen doch nur, wenn et wat zu holen gibt. Wenn se Dich ausgenommen habn wie ne Weihnachtsgans, dann haun se ruckzuck ab. Meine Mutter musste uns alleine durchbringen. Mein Vatta is ja fr?h gestorben. Die wusste noch wat Arbeit is. Dat kannse mir glauben. Un die Elvira? Der hab? ich sogar ne Sp?lmaschine gekauft. Kannse Dir dat vorstellen. So bl?d war ich. Dat Spaabuch hatse auch mitgehen lassen, dat Mistst?ck. Eine wie die andere.? Er schiebt mich leicht zur Seite, um von der Verk?uferin den Beutel mit Wurst entgegen zu nehmen. Das erspart ihm einen zus?tzlichen Schritt. Sehr ?konomisch.

Das findet jetzt gerade alles nicht statt, oder? Beklagt sich diese ungewaschene, nach Schnaps stinkende, in Selbstmitleid versinkende, das eigene K?pfchen t?tschelnde (Vorsicht, Haarordnung), vor Intelligenz nur so sch?umende und von jedweder Erziehung v?llig unber?hrte Inkarnation des schlechten Geschmacks tats?chlich dar?ber, wie ihm die vielen Frauen, die er erobert hat, unentwegt B?ses angetan haben? Ich meine, das mit dem B?sen dr?ngt sich irgendwie auf, aber im Plural? Und hat er mir gerade attestiert, mein Kind nicht erzogen zu haben? Eigentlich k?nnte es mir schei?egal sein, was dieser - tut mir leid, das mit dem Mann geht nicht mehr, aber mir f?llt jetzt nichts ein ? dazu zu sagen hat. Er darf reden und das widerspiegelt meine demokratische Grundhaltung. Oh ja, auch in Momenten wie diesen. Da outet sich der wahre Wertejunkie. Aber ? es spricht auch viel f?r eine kurzzeitige Aussetzung der politisch und sozial erw?nschten Reaktion. Die Tatsache zum Beispiel, dass mein Sohn pausenlos an mir herumzieht trotz wiederholter Abmahnung. Schei? Fleischwurstscheibe. Oder auch die Tatsache, dass ich gerade stundenlang auf einem Spielplatz herumgehockt und mir angeguckt habe, wie meine Freundin leidet, die durch wirklich schwere Zeiten geht. Eine tolle Frau. Und sie ist sogar mit den Regeln der K?rperhygiene vertraut. Vielleicht einfach nur die Tatsache, dass ich am Ende eines miesen Tages mit Kindergebr?ll, einem Besuch bei McDonalds (inklusive Streit um den einzigen gr?nen Luftballon) und nach einer schwierigen Woche nur m?de und genervt bin. Ganz egal ? der Kerl ist f?llig. Da baut sich dieser vorlaute kleine Sohn vor ihm auf und schreit (Kind, das geht doch auch leiser!): ?Du hast meine Mama geschubst. Das ist sehr unh?flich oder Mama?? Jo. ?Wat mischs Du Dich denn da ein? Dat geht Dich gar nix an.? Der Sohn ist emp?rt. ?Jawohl geht mich das was an. Man darf nicht unh?flich sein. Auch Erwachsene nicht. Das ist b?se. Du bist nicht gut erzogen.? Lieber Gott, jetzt ernst bleiben. Wenn ich jetzt lache, bekommt das Kind vielleicht einen Schaden f?r?s Leben. Man wei? es nicht. Au?erdem ist sein Tonfall sehr frech. Damit darf er nicht durchkommen. Und wenn ich jetzt lache, wie soll ich ihn dann gleich noch tadeln k?nnen? Das haut ja wohl nicht hin. ?Getz h?r mir ma zu M?nneken. Du bisn frecher Bengel, aber Deine Mutta scheint dat ja nich zu st?ren. Getz bisse aba ruich. H?rse? Du has ja keine Ahnung.?

Mittlerweile haben wir, glaube ich, schon Unterhaltungswert. Die Verk?uferin versucht den Sohn mit einer Scheibe Fleischwurst zu beruhigen, die sie ihm verf?hrerisch ?ber den Tresen reicht und ich tue so, als geh?re ich gar nicht dazu. Ist irgendwie wie ein Film, der gerade abl?uft. Ich schaue zu und staune. Eigentlich bin ich gar nicht ich. Ich bin die Vertreterin der Frauen um die 40+, die vom Alter her zur Zielgruppe dieses Wesens geh?ren m?ssten. Frauen, die sich qu?len mit den Gedanken um Falten, ?bergewicht, Unterhaltungswert, Garderobe ? kurz, den sinkenden Marktwert. Und ich staune. Ihm ist das alles ganz egal, weil er begehrenswert ist. Warum? Na, er ist ein Mann. Und zwar einer, der mal ein Sparbuch hatte. Reicht das nicht? Und w?hrend ich so stehe und staune, frage ich mich, wie es m?glich ist, dass Paralleluniversen vor der Wursttheke bei Edeka miteinander verschmelzen k?nnen. Und keiner merkt was. Und nein, ich unterbreche den Sohn nicht. Demokratische und soziale Verhaltensweisen sind ebenso tempor?r au?er Kraft gesetzt wie erzieherische Ma?nahmen. Und was sagt der Sohn? ?Wohl habe ich Ahnung. Du hast Dich nicht gewaschen, Du hast meine Mama geschubst und Du hast Dir nicht die Z?hne geputzt. Und wenn Du Mamas Sohn w?rst, dann w?rdest Du jetzt ?rger bekommen.? Dreht sich zur Verk?uferin, l?chelt sie herzerweichend an, fl?tet ?Danke? durch seine Zahnl?cke und schaut den Kerl noch einmal an. ?Und eine Scheibe Wurst bekommst Du auch nicht?. Dem ist wohl nichts hinzuzuf?gen.

Tach auch ...
10.11.05 09:43


Wer braucht solche Tage?

Als ich vor 5000 Jahren das erste Mal nach Berlin gefahren bin, wurde ich vorher dar?ber informiert, dass das Br?tchen in Berlin Schrippe hie?e. Brauchte ich dann zwar nicht, weil die Berliner B?cker das Br?tchen an und f?r sich durchaus als solches identifizieren konnten. Aber macht ja nichts. Gebraucht habe ich es erst Jahre sp?ter, als ich in Wiesbaden Br?tchen gekauft habe und der angesiedelte B?cker darauf bestand, dass das Br?tchen seiner Natur nach eine Schrippe sei. Was soll man da machen? Zugereist!

Heute beim B?cker, kurz vor halb eins. Den Sohn zur Ergo gebracht und die Zeit genutzt. Just am heutigen Tag, zu dieser Zeit und an diesem Ort wimmelt es von M?ttern und Hausfrauen. Rechts, links, oben, unten. ?berall. Und beim B?cker gibt es ja auch spannende und aufregende Sachen zu kaufen. Brot, Br?tchen, Kuchen, belegte Br?tchen und Kaffee. Sogar zum Mitnehmen. Und als ob das nicht schon genug w?re, auch noch die Werbung ?Wir backen zusammen ein Lebkuchenhaus.? Wer kann sich da noch zur?ckhalten? Nur so l?sst es sich wohl erkl?ren, dass alle auf einmal quatschen, miteinander, ?bereinander, durcheinander und ?ber die Theke hinweg mit den zwei Verk?uferinnen. Gr?sslich! Aber wieder ist es meine Faulheit, die mich verweilen l?sst. Blo? nicht noch zu einem anderen B?cker! Wer wei?, was da so alles rumlungert?!

Irgendwann bin ich dann dran und sage: ?F?nf Br?tchen bitte.? Die Verk?uferin guckt mich verwirrt an, w?hrend die Kollegin in ihr Ohr redet und eine andere Kundin mit dem Werbezettel wedelt. Die Frau tut mir leid und ich nicke zum Zeichen, dass die wedelnde, toupierte Dame gerne den Vorrang haben darf. Dann bin ich wieder dran. Ein fragender Blick und mein Einsatz: ?F?nf Br?tchen bitte.? Die Kollegin schreit auf, weil ihr der hei?e Kaffee ?ber die Hand l?uft und eine andere Kundin ruft: ?Schnell, schalten Sie die Maschine ab.? Die Verk?uferin eilt zur Hilfe und erledigt die Sache mit dem Kaffee (inklusive eines neuen Kaffees f?r den wartenden Kunden), wirft mir einen hilflosen Blick zu, w?hrend die Kollegin die Hand k?hlt. Kann ja passieren. Und ich habe es ja auch nicht so eilig, wie die Dame vor mir, die nach mir rein kam, aber zeitlich unter Druck steht ?weil die Manik?re wartet.? Kann ich auch nicht, weil keine Manik?re. Die gebeutelte Verk?uferin kommt zur?ck, wild entschlossen, mich zu bedienen. Man kann es ihr f?rmlich ansehen. Dann ich wieder: ?F?nf Br?tchen bitte.? Im gleichen Moment f?ngt das Baby im Kinderwagen schr?g hinter mir, an zu schreien, als ob es gleich abgestochen w?rde. Verlockende Idee. Ich bekomme einen halben Herzinfarkt und gehe gleich einen Schritt nach vorne. Sicher ist sicher. Und obwohl ich keinen Ton gesagt habe, noch nicht einmal hingeguckt habe, giftet die Mutter mich an: ?Ja mein Gott, Kinder schreien halt!? H?r zu M?dchen, nicht nur Kinder und ich habe einen ganz anderen Klangk?rper. Denke ich mir nat?rlich nur. Kurzum, die Verk?uferin hat nichts verstanden und fragt noch einmal nach. Da verliert dann ein Herr die Geduld, der an einem kleinen Tisch einen Kaffee trinkt. ?Wat denn?! Die Frau will f?nf Schrippen!? Ich nicke dankbar und h?re die Antwort. ?F?nf Schrippen? Oh je, hab ick nich verstandn. Jeht klar.? Bitte? Und dann unterhalten sich die beiden. ?ber die gemeinsame Heimat, das Leben in der Fremde, sie packt die Br?tchen ein, er nimmt sie an und als er gerade bezahlen will, mische ich mich wieder ein. ?T?schuldigung? Finde ich ja sehr nett, dass sie meine Br?tchen bezahlen wollen. K?nnte ich dann trotzdem das Backwerk haben?? ?Oh Mann?, sagt er, ?da bin ick verwirrt. Welche Schrippen?? ?Die in ihrer Hand?? Er gibt mir die Br?tchen und ich will bezahlen. ?Ich hab? sieben St?ck eingepackt.? Jetzt bin ich verwirrt. ?Sieben? Schrippen?? ?Br?tchen?, sagt sie, ?sieben.? Wieso sieben? ?Ich wollte aber nur f?nf.? Sie guckt mich an. ?Sieben. Sie sind etwas klein.? Jetzt blo? nur bezahlen und raus hier. ?Wie viele Br?tchen muss dat M?dchen denn jetz bezahlen??, will er wissen. ?F?nf Schrippen?, ist die Antwort. Nichts wie weg!

Drau?en treffe ich eine alte Bekannte aus noch ?lteren Tagen. Sie ist zwei oder drei Jahre ?lter als ich und hat ein kleines Kind auf dem Arm. Ich bin ganz erleichtert, dass es Frauen gibt, die noch sp?ter geworfen haben als ich. Genau so lange, bis sie sagt: ?Das ist Marvin, mein Enkelkind.? Das b?se Wort, voll in die Fresse. Nein, das ist mir nicht zum ersten Mal passiert, aber davon wird es auch nicht besser. Ist es denn wirklich notwendig, mich regelm??ig in unregelm??igen Abst?nden daran zu erinnern, dass der Pl?ck (oder ohne ?c??) endg?ltig aff is? Tut das Not? Ich kann mich heute noch an den Tag erinnern, als ich zum ersten Mal eine Antifaltencreme beim Apotheker als Beigabe bekommen habe. Diese Apotheke war danach eine verbotene Zone. Der Unterschied ist, dass es sich damals um eine Creme gegen die ersten F?ltchen handelte und heute um eine Creme f?r die reifere Haut. Ist nur noch ein ganz kleiner Schritt bis ?reif?. Und was kommt dann? ?berreif? Oder auch der ber?hmte Ausdruck ?Haut wie Fallobst?? Ich gucke also ?berhaupt nicht am?siert auf den kleinen Wonneproppen. Marvin, sieben Monate. Und dann kommt die Frage, die ich an dieser Stelle am meisten f?rchte. ?Und Du? Du wolltest ja nie Kinder. Hast Du dann damals doch noch was Kleines bekommen?? Wie ich das hasse! Die Antwort f?llt entsprechend aus. ?Ja, doch noch. Ein Junge.? Aber diese Hy?ne l?sst nicht locker. ?Das ist ja sch?n. Geht er denn noch zur Schule?? Ich kenne dieses Weib. Du kleine, hinterh?ltige ? ?Ja sicher.? Ein paar belanglose S?tze und ab zum Auto. Da ich feststellen muss, dass sie schr?g gegen?ber geparkt hat und da es ein Uhr ist, wei? ich, was passieren wird. Und dann passiert es auch. Der Sohn kommt raus, schreit ?Mama, Mama? und spurtet los in meine Richtung. Und dann ihr Blick. Ich k?nnte sie erschlagen. ?Da hast Du aber doch noch sehr sp?t die Kurve gekriegt!? Und was erwidert man darauf? ?Erst denken, dann poppen.?

Tach auch ?
11.11.05 16:26


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